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Seelsorgebereich:Predigtgedanke von Pater Putzer zum 4. Fastensonntag

Längsschiff
Datum:
Veröffentlicht: 17.3.26
Von:
Pater Dieter Putzer

Gern sag‘ ich in bestimmten Situationen - natürlich nie ohne ein Schmunzeln auf den Lippen: „Gott ist schon manchmal auch ein
Zyniker!“ Sie kennen das Wort: Der Mensch denkt und Gott lenkt. Der Mensch dachte und Gott lachte!Ein wenig passen diese Worte zur Lesung aus dem 1 Buch Samuel von heute. Es geht um David, genauer um seine Berufungsgeschichte. Wir bewegen uns in der Zeit um 1000 v. Chr. Israel braucht einen neuen König, obwohl Saul – der erste König überhaupt – noch in Amt und Würden ist …
Sagen wir mal etwas salopp, Saul war als König eher eine Pleite, ein Fehlgriff. So schickt Gott den Propheten Samuel nach Bethlehem, um dort den neuen König zu salben. – Die Sache war so eine Art „geheime Mission“, Saul durfte auf keinem Fall davon erfahren.
Isai, ein ehrenwerter älterer Herr, hatte stattliche, kräftige Söhne und einer von denen, - so viel wusste der Prophet -, einer von denen sollte dieser neue König werden. Isai ließ seine Söhne antreten wie Paradesoldaten. Samuel, der Prophet, steht vor dem Eliab, dem ältesten Sohn und denkt sich: „Gewiss steht nun vor dem Herrn sein Gesalbter“. Doch Gott sagt: „Nö, der ist es nicht!“ Und die Begründung, die Gott gibt, hat es in sich: „Gott sieht nicht auf das, worauf der Mensch sieht. Der Mensch sieht, was vor den Augen ist, der Herr aber sieht das Herz.“ Das ist ein Wort! Sieben Söhne standen da vor dem Propheten und Samuel steht vor dem letzten und keiner von diesen sieben war ’s … Etwas peinlich berührt fragt er den Vater: „Das war ’s? Sind das alle deine Söhne? Und der gibt ihm zur Antwort: Der Jüngste fehlt, der hütet gerade unsere Schafe draußen auf der Weide. Samuel heißt Isai: „Lass ihn mal vorsichtshalber holen“. Und dann steht da der Bub – und jetzt hören sie gut hin: „Er war blond, hatte schöne Augen und eine schöne Gestalt.“
– und der ist ‘s! Dieser ist die Lichtgestalt der jüdischen Geschichte bis herauf in unsere Gegenwart: Ein blonder Bub mit schönen Augen und einer schönen Gestalt. Das ist eigentlich eine Lachnummer! Der König soll, nein, er muss eine Führungsposition einnehmen, er muss sein Land regieren und sein Heer in die Schlacht führen können – und dazu reichen keine blonden Haare, schöne Augen und eine
schöne Gestalt! Aber genau der ist ’s … Die Maßstäbe Gottes sind anders, ganz anders … Und die Geschichte wird im wahrsten Sinn des Wortes spannend!