Seelsorgebereich:Ein ganz anderer Johannisbrauch

Kräuter zum Johannistag
Mit einem Körbchen streife ich durch den Garten und pflücke einen Löwenzahn. Ich zupfe zwei Blättchen von der Brennnessel und vom Gundermann. Die gefiederten Blättchen der Schafgarbe sind noch ganz weich. Erste Blüten sind auch da: Sie sollen in meinem Kräuterstrauß zum Johannistag nicht fehlen. Ebenso Königskerze, wilde Margeriten und Beifuß, die alle ohne mein Zutun ihr Fleckchen im Garten gefunden haben. In den Wiesen hinter unserem Haus wächst sogar Johanniskraut. Sieben bis neun Kräuter gehören in ein Sonnenwendbüschel. Eine Tradition zum Johannistag am 24. Juni, die mir bisher gar nicht vertraut war. Aber weil ich die Fülle der Wildkräuter in meinem Garten lieben gelernt habe, will ich mir so ein Büschel zusammenstellen. Früher wurden diese Kräutersträuße in den Johannisfeuern verbrannt, wohl in der Hoffnung, dass Krankheiten und Unheil abgewendet werden können. Mein Körbchen füllt sich.
Ich sammle auch noch fürs Abendessen: Spitzwegerich, Taubnessel, Giersch. Ein Gänseblümchen, Vogelmiere, Wilde Möhre, Beinwell, Knoblauchsrauke, Wegwarte! Alles wird mit dem Wiegemesser klein geschnitten und mit Quark verrührt. Mmmh, wie das duftet. Nach Sommer. Nach Frische. Vielfalt. Sonne. Regen. Segen.
(c) Kirsten Westhuis, andere zeiten, Magazin zum Kirchenjahr, 02/26 Himmelfahrt bis Urlaubszeit, www.anderezeiten.de, In: Pfarrbriefservice.de