Seelsorgebereich:Impuls zu Maria Himmelfahrt

Maria – demütig und prophetisch
An Maria haben sich im Laufe der Jahrhunderte viele Vorstellungen und Erwartungen geknüpft. Sie wurde als demütige Magd, als liebevolle Mutter und als Zuflucht in schweren Zeiten verehrt. Doch das Evangelium zeigt uns noch eine andere Seite dieser Frau: Maria ist auch eine mutige und prophetische Stimme.
Im Magnifikat singt sie von einem Gott, der die Mächtigen vom Thron stürzt und die Niedrigen erhöht, der Hungernde beschenkt und sich den Schwachen zuwendet. Das klingt nicht nach stiller Ergebung. Es ist die Hoffnung auf eine Welt, in der Gottes Gerechtigkeit Wirklichkeit wird.
Vielleicht liegt gerade darin etwas sehr Aktuelles: Auch unser Leben bewegt sich zwischen Annehmen und Verändern. Manches müssen wir annehmen, weil wir es nicht ändern können – Krankheit, Abschied, Verluste oder Grenzen. Demut kann dann heißen, das Leben anzunehmen und sich Gott anzuvertrauen.
Aber christlicher Glaube bedeutet nicht, zu allem zu schweigen. Wie Maria sind wir gerufen, dort unsere Stimme zu erheben, wo Menschen übersehen, ausgegrenzt oder ungerecht behandelt werden.
Das gilt auch für die Kirche. Eine Kirche, die Maria ernst nimmt, sollte beides lernen: demütig auf Macht verzichten und zugleich prophetisch ihre Stimme erheben – nicht zuerst für sich selbst, sondern für Menschen, die keine starke Stimme haben.
Maria Himmelfahrt erinnert uns deshalb nicht nur an eine Frau, die sich Gott anvertraut hat. Das Fest zeigt uns eine Frau, die darauf vertraute, dass Gott diese Welt verändern will.