Seelsorgebereich:Impuls zum 13. Sonntag im Jahreskreis

Mt 10, 37–40
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Aposteln:
37Wer Vater oder Mutter mehr liebt als mich,
ist meiner nicht wert,
und wer Sohn oder Tochter mehr liebt als mich,
ist meiner nicht wert.
38Und wer nicht sein Kreuz auf sich nimmt und mir nachfolgt,
ist meiner nicht wert.
39Wer das Leben gewinnen will,
wird es verlieren;
wer aber das Leben um meinetwillen verliert,
wird es gewinnen.
40Wer euch aufnimmt,
der nimmt mich auf,
und wer mich aufnimmt,
nimmt den auf, der mich gesandt hat.
Schwer zu hören….
sind manche Worte Jesu. Sie klingen hart, fast erschreckend: „Wer Vater oder Mutter mehr liebt als mich, ist meiner nicht wert.“ Oder: „Wer sein Leben gewinnen will, wird es verlieren.“
Solche Sätze können leicht missverstanden werden. Jesus will damit keinen Druck machen. Er will keine Angst erzeugen und keinen blinden Gehorsam fordern. Seine Worte sind keine Einladung zum Fanatismus. Sie sind vielmehr eine Einladung zur Freiheit — zu einer Freiheit, die aus dem Vertrauen auf Gott wächst.
Jesus spricht zu Menschen, die ihm nachfolgen wollen. Er verschweigt nicht, dass dieser Weg Spannungen mit sich bringen kann. Wer sich am Evangelium orientiert, wird nicht immer Zustimmung finden. Manchmal fordert der Glaube heraus — auch im eigenen Alltag, im Freundeskreis oder in der Familie.
Wie aktuell das ist, zeigt sich sogar im Fußball. Wenn Spieler wie Felix Nmecha oder Jonathan Tah ihren Glauben zu Jesus Christus öffentlich leben, etwa indem sie nach einem Spiel beten, wird darüber sofort diskutiert. Die einen sehen darin ein glaubwürdiges Bekenntnis und ein Zeichen von Dankbarkeit. Andere fragen kritisch, ob Religion auf eine große öffentliche Bühne gehört. Gerade daran wird sichtbar: Glaube bleibt nicht folgenlos. Wer ihn öffentlich lebt, wird nicht immer nur Applaus bekommen. Entscheidend ist deshalb, dass ein Bekenntnis zu Christus nicht hart, ausgrenzend oder selbstgerecht macht, sondern demütig, barmherzig und frei.
Wie sind nun Jesu Worte zu verstehen?
„Wer sein Leben gewinnen will, wird es verlieren“: Das kann heißen, dass wir unser Leben verfehlen, wenn wir ständig nach mehr suchen, uns mit anderen vergleichen oder unseren Wert von Erfolg, Anerkennung und der Fülle unseres Terminkalenders abhängig machen.
Wer nur auf das schaut, was fehlt, übersieht leicht den Reichtum des eigenen Lebens — auch dann, wenn es unscheinbar, brüchig oder anders ist, als erhofft.
Und umgekehrt gilt: „Wer das Leben um meinetwillen verliert, wird es gewinnen.“ Wer im Geist Jesu sein Leben annimmt, auch mit seinen Grenzen, Brüchen und Kreuzen, kann innerlich frei werden. Wer nicht allem hinterherläuft, was glänzt, entdeckt vielleicht neu, was wirklich trägt: Vertrauen, Liebe, Dankbarkeit, Stille und die Nähe Gottes.
Jesus sagt nicht: Verachte dein Leben.
Er sagt: Halte es nicht so fest, dass du daran zerbrichst.
Jesus sagt nicht: Liebe deine Familie nicht.
Er sagt: Mach aus keiner irdischen Bindung dein letztes Fundament; denn irdisches Leben ist nun mal begrenzt.
Jesus sagt nicht: Suche das Kreuz.
Er sagt: Wenn dir ein Kreuz auferlegt ist, dann geh deinen Weg nicht allein — geh ihn mit mir.
Lebensschule Jesu
So verstanden sind die Worte Jesu eine Hilfe zum Leben. Sie machen nicht enger, sondern weiter. Nicht härter, sondern freier. Sie laden uns ein, das eigene Leben als Geschenk anzunehmen: mit allem, was leicht ist, und mit allem, was schwer bleibt. Und sie ermutigen uns, dieses Leben mit Gottes Hilfe dankbar, frei und liebevoll zu gestalten.