Seelsorgebereich:Predigtgedanke von Pater Putzer zum 11. Sonntag im Jahreskreis

Der Gottesdienst wurde vorbereitet von unserem Team! Danke allen, die sich engagiert haben … Wir feiern heute das Pfarrfest unserer Gemeinde. Fühlen Sie sich dazu herzlich willkommen! Außerdem dürfen wir all die begrüßen, die heute mit uns Ihre Jubelkommunion feiern, schön, dass Sie da sind! Beides passt sehr gut zusammen. Ein Fest für die Gemeinde, für alle, die zu uns gehören, die jetzt „in diesen Mauern, die herumgebaut sind, um den Reichtum Gottes“, miteinander feiern. St. Gangolf gehört ja zu den beeindruckendsten Kirchen unserer Stadt. Seit Jahrhunderten steht diese Kirche an dieser Stelle, die Mauern haben viel erlebt, Kriege überstanden, auch Seuchen, Not und Freude gesehen. Ein gutes und stabiles Haus aus Stein ... Ganz anders als die Kirche, die ein junger Mann eines Tages
vorgefunden hat. Lassen sie sich ein wenig in die Vergangenheit entführen: Er ist das verwöhnte Söhnchen stinkreicher Eltern, er hat alles, was er sich wünschen kann. Eines Tages erbt er als einziger Nachkomme den väterlichen Betrieb, wird Tuchhändler und er muss nicht einmal dafür geeignet sein – denn die Familie lässt aufgrund ihres Reichtums andere arbeiten. Der Kerle ist die ideale Partie und er scheint ein Frauenheld zu sein. Er zecht gern und viel mit seinen Kumpels, hat das Manko, dass er beim Spielen nicht verlieren kann – lässt man ihn gewinnen, zahlt er die Zeche. Der junge Mann ist das „Schaufenster“ des elterlichen Betriebs, denn er trägt die neuste Mode. Verwöhnt, stinkreich lebt er in den Tag hinein. Aber es treibt den jungen Kerl auch immer wieder in die Einsamkeit. Auf seinem prächtigen Pferd reitet er eines Tages an einer fast verfallenen Kapelle vorbei. Darin ein großes, altes Kreuz, an dem man nicht viel
erkennen kann, es muss erst die dicke Schmutzschicht entfernt werden. Doch dann blickt ihm das auf das Holz gemalte Gesicht an. Ein Kreuz, das Jesus nicht als Sterbenden darstellt, sondern als einen, der dem Betrachter mit einem offenen, wachen Blick in die Augen
schaut. Der junge Mann meint einen Auftrag zu vernehmen, er meint zu hören, dass er diese Kirche wieder aufbauen soll. Und er, der noch nie mit seinen eigenen Händen arbeiten musste, macht sich alsbald an die Arbeit, sammelt Steine, rührt Mörtel an, überbrückt so
die Langeweile seines Alltags. Es spricht sich herum, dass der reiche Schnösel diese alte Kapelle renoviert. Und die Leute sind neugierig, kommen vorbei, schauen sich das Spektakel an, wie einer, der noch nie einen Hammer in der Hand hatte, da mehr schlecht als recht vor sich hinwerkelt. Dann gab es plötzlich welche, die wollten wissen, warum er das tut. Und er erzählt, dass er gemeint hat eine Stimme zu hören. Das fordert auch andere junge Männer heraus und sie helfen mit. Man unterhält sich, über Gott und die Welt. Der junge Mann entwickelt eine Idee, wie man besser, einfacher, umweltgerechter leben könnte. Und das gefällt auch anderen. Sie schließen sich ihm an. Ein neuer Freundeskreis ist am Entstehen, eine neue Gemeinschaft. Angefangen hat das alles mit der Renovierung einer alten, baufälligen Kapelle. Sie alle wissen wahrscheinlich mittlerweile, vom wem hier die Rede ist: Franziskus von Assisi. Er hat es geschafft beginnend mit dem Wiederaufbau einer kleinen Kirche aus Stein die größte Reformbewegung des Mittelalters zu begründen.