Seelsorgebereich:Predigtgedanke von Pater Putzer zum 19. Sonntag im Jahreskreis

Gibt es jemand unter ihnen, dem der Name Philipp Mickenbecker etwas sagt? Ich vermute mal nein – und keine Angst, das muss ihnen gar nicht peinlich sein! Hätte mir vor zwei Wochen jemand die Frage gestellt, ich hätte auch mit den Schultern zucken müssen …
Philipp Mickenbecker, Jahrgang 1997 war Outdoor-Fan, Tüftler und YouTuber mit Millionen Reichweite auf dem Kanal „Real Life Guys“ zu deutsch: „Jungs aus dem echten Leben“. Mit seinem Zwillingsbruder Johannes und mit Hilfe von Freunden brachte er eine Badewanne zum Fliegen, bastelte in einer Nacht und Nebelaktion im Baumarkt eine Loopingbahn zusammen und verwirklichte den Traum vom Baumhaus Deluxe. Für die jungen Leute galt die Devise: „Das Leben ist zu kurz, um es auf der Couch zu vertrödeln. Do something!“ Philipp ist mit nur 23 Jahren an seiner dritten, schweren Krebserkrankung gestorben. Im Urlaub bin ich per Zufall auf die Biographie dieses jungen Mannes gestoßen, sagen wir mal so, sein doch sehr kurzer Lebensweg hat mich einfach interessiert und mehr noch, wie ein so junger, aber zugleich unwahrscheinlich lebendiger Mensch damit umgeht, dass sein Leben mit nur 23 Jahre bereits ans Ende kommt. Was für mich zudem fesselnd war, dass er immer wieder auch von Gott sprach. So kam mir beim Lesen das doch sehr widersprüchliche Wort eines Paulus in den Sinn: „Denn wenn ich schwach bin, bin ich stark“ (2 Kor 12,10). Wie ein Mensch schwach sein kann und gleichzeitig ganz stark, das habe ich bei diesem jungen Kerl Philipp Mickenbecker entdeckt. Philipp und seine Freunde haben verrückte Dinge gemacht: Sie haben eine Wasserrutsche von ihrem Hausdach gebaut, ein U-Boot und wie gesagt eine fliegende Badewanne. Die kurzen Filme, die sie über ihre Projekte gedreht haben, haben sich auf Youtube Millionen Menschen angeschaut.
Was die Zuschauer allerdings nie gewusst haben: Phillip hatte seit seinem 16. Lebensjahr Lymphdrüsenkrebs. Zweimal ist die Krankheit ausgebrochen, zweimal ist er wieder gesund geworden. Als der Krebs zum dritten Mal kam, sagte Philipp in einer Reportage, die kurz vor seinem Tod aufgenommen wurde: „Ich hab immer versucht, nach außen hin mega stark zu wirken, auch wenn ich es innerlich überhaupt nicht war“. Ich hab eben noch gesagt: Philipp hat auch immer wieder von seinem Glauben an Gott erzählt und von seiner Hoffnung, dass es nach diesem Leben weitergeht. „Ich glaube“, hat er gesagt, „dass Gott wirklich ein krass guter Gott ist und dass er am Ende alles gut machen wird – selbst wenn es nicht hier auf der Erde ist“. Man hat diesem jungen Kerl, sagen die, die ihn kannten, diese Hoffnung abgespürt, man hat es ihm abgenommen, dass er keine Angst vor dem Tod hatte.Und noch eine andere Botschaft war Philipp wichtig: Jede Minute im Leben ist kostbar. Man sollte deshalb bewusst leben und nicht so viel Wert darauf legen, was die anderen über einen denken. Da hat jemand Schwäche gezeigt und war vielleicht gerade deshalb so mutig und stark. Philipp passt nicht nur zu unserer Erzählung, von der wir heute im Evangelium hören, ich finde solche Menschen auch echt stark.