Seelsorgebereich:Predigtgedanke von Pater Putzer zum 20. Sonntag im Jahreskreis

„Freundchen, du denkst dran, hier ist deine Grenze - und wehe …!“ Eigentlich war unsere Mutter eine Seele von Mensch, aber dieses Wort: „Freundchen, du denkst dran, hier ist deine Grenze - und wehe …!“ gehörte zu ihr, wie das „Amen in der Kirche“. Dann hat sie dieses Wort immer noch mit einem etwas theatralischen Unterton zu unterlegen versucht und wusste doch genau, wir Burschen nehmen ihr dieses Wort nicht ab, vor allem dann nicht, wenn der Vater in der Nähe war und heimlich, aber doch deutlich sichtbar, in sich hineingegrinst hat.
Er wusste, wie wir es wussten, diesem „Freundchen, du denkst dran, hier ist deine Grenze - und wehe …!“ hat unsere Mutter fast nie Konsequenzen, sprich Sanktionen folgen lassen, dazu war sie viel zu nachgiebig und gutmütig. Kinder, Jugendliche machen das ja sehr gern, dass sie ein wenig provozieren, dass sie ihre Grenzen überschreiten, um auszutesten, wie weit sie eigentlich gehen können.
Die Szene aus meiner Kindheit ist mir spontan in den Sinn gekommen, als ich das Evangelium für heute gelesen habe; Da geht’s nämlich auch um Grenzüberschreitungen – von Jesus her, denn der treibt sich als Jude plötzlich und scheinbar grundlos in heidnischem Gebiet rum. Dann ist da aber auch von einer Mutter, noch dazu einer Heidin die Rede, die Hilfe braucht und als sie Jesus nachschreit, mehr noch als nur die Grenze des guten Geschmacks überschreitet – und so geht das in der Erzählung von heute permanent weiter. Aber vielleicht muss man manchmal eine Grenze überschreiten, um das zu erreichen, was man dringend braucht …